Der Anti-Prepper Prepper
Warum Vorbereitung nichts mit Weltuntergangs-Fantasien zu tun hat
Es gibt zwei Arten von Preppern. Die erste baut Bunker, abonniert 36 Telegram-Gruppen, kauft 600 Dosen Ravioli und wartet darauf, dass irgendein Zusammenbruch endlich passiert, damit sie sagen können: „Siehst du! Ich hatte recht!“
Die zweite Sorte ist deutlich langweiliger. Aber auch deutlich sinnvoller.
Sie nennt sich: vernünftige Erwachsene.
Ganz gut klingt auch Anti-Prepper-Prepper, oder?
Wenn man sich unser System so anschaut, merkt man ja schnell, dass Vorbereitung und Auslagerung eine extrem grosse Rolle spielt. Immer wieder kommt das Beispiel des stressigen Morgens, an dem den diversen Familienmitgliedern und den Tieren plötzlich Dinge einfallen, die schon seit Tagen hätten erledigt sein müssen. Ja, hätte - wäre - wenn ...
Die Prepper, die keiner sein will
Wenn man das Wort „Prepper“ hört, entstehen sofort Bilder:
- Tarnhosen
- Bunker statt Partykeller
- Paletten mit Dosensuppe
- Telegram-Gruppen voller Weltuntergangs-Propheten Das Problem: Diese Leute bereiten sich nicht wirklich vor. Sie fantasieren über Katastrophen, die vermutlich nie eintreten werden. Man müsste mal ausrechnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer Zombie-Apokalypse ist. Das ist ein Hobby (oder schlimmeres) und keine Resilienz.
Was echte Vorbereitung wirklich bedeutet
Der Anti-Prepper-Prepper interessiert sich nicht für Mad-Max-Szenarien. Er interessiert sich für Dinge, die wirklich passieren:
- Stromausfall
- Hochwasser
- kaputte Heizung
- Krankheit
- Jobverlust
- Autopanne im Winter
- kaputte Lieferketten (ja, wir hatten das gerade erst)
Also Dinge, die keine Netflix-Serie brauchen.
Nur ein bisschen Voraussicht.
Stoische Vorbereitung
Die alten Stoiker hatten dafür einen Begriff: Premeditatio malorum. Man denkt gelegentlich darüber nach, was schiefgehen könnte. Oder hier auch gerne der Verweis zu Murphy's Law. Ab und an denkt man also an die Dinge, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eintreten könnten, aber nicht um Angst zu bekommen. Um ruhig und gelassen vorbereitet zu sein, darf man aber schon mal den ein oder anderen Gedanken verlieren. Seltsamerweise fällt die Heizung selten im Hochsommer aus.
Der Anti-Prepper-Prepper denkt ungefähr so:
„Wenn morgen das Wasser ausfällt, wäre es schön, welches zu haben.“
Radikale Aussage, wissen wir.
Der Anti-Prepper-Ansatz
Der Ansatz ist simpel. Man bereitet sich nur auf wahrscheinliche Probleme vor und nicht auf Zombie-Apokalypsen.
Beispiele:
Stromausfall
- Taschenlampen
- Powerbanks
- Kerzen
- Campingkocher
Nicht notwendig:
- Dieselgenerator für ein Einfamilienhaus
- Bunker mit NATO-Filteranlage
Wasser
- ein paar Kanister mit Wasser für das nötigste
- Mineralwasser in Flaschen
Nicht notwendig:
- Wasseraufbereitungsanlage für die Sahara.
Essen
- Vorrat für ein paar Tage oder Wochen
- Dinge, die man sowieso isst und essen wird, bevor etwas schlecht wird
Nicht notwendig:
- 200 kg gefriergetrocknete Lasagne mit 30 Jahren Haltbarkeit.
Dokumente
- wichtige Unterlagen digital gesichert
- Backup der Fotos (unwiederbringliche Erinnerung sind heute meist digital) Nicht notwendig:
- Titan-Koffer mit biometrischem Schloss.
Das eigentliche Ziel
Der Anti-Prepper-Prepper will nicht überleben wie in einem dystopischen Roman. Er will einfach, dass kleine Krisen keine Katastrophen werden. Man will vorbereitet sein, dass der Stress im Falle des Falles um gefühlte 80-90% gesenkt wird (individuell verschieden...)
Wenn der Strom ausfällt:
- bleibt das Licht aus und die Familie bleibt entspannt, weil es Taschenlampen gibt.
- Profi-Tipp: Man weiss auch wo sie sind und hat volle Batterien zumindest zur Hand
Wenn die Heizung ausfällt:
- friert niemand.
Wenn ein Sturm kommt:
- weiß jeder, wo die Taschenlampen sind.
Das ist keine Survival-Romantik. Das ist organisierte Gelassenheit.
Die Prepper-Ironie
Die meisten Menschen halten Prepper für paranoid. Dabei haben die meisten Menschen:
- keinen Erste-Hilfe-Kasten
- keine Taschenlampe
- keinen Vorrat
- kein Backup ihrer Fotos
Aber sie haben drei Streaming-Abos, mindestens. Menschen planen ihren Netflix-Abend besser als einen Stromausfall.
Das ist schon eine Leistung; allerdings planen wir natürlich nicht unseren Stromausfall, aber dass ein mehrtägiger Stromausfall möglich ist, haben aktuelle Ereignisse gezeigt (Aktualität bezogen auf die Veröffentlichung).
Unser persönliches Prepper-Credo
Der Anti-Prepper-Prepper folgt drei Regeln:
1. Bereite dich auf reale Dinge vor. Nicht auf Hollywood. Siehe die total ernst-gemeinte Wahrscheinlichkeitsmatrix in einem späteren Artikel
2. Halte es einfach. Komplexe Systeme gehen zuerst kaputt. Keep it simple, das hatten wir ja schon.
3. Erzähle niemandem davon.
Sonst halten dich Leute für einen Spinner. Das tun sie allerdings nur so lange, bis sie plötzlich deine Taschenlampe brauchen.
Fazit
Prepper sein heißt nicht, an den Weltuntergang zu glauben.
Prepper sein heißt nur:
Erwachsen sein. Also ganz vernünftig, rational, stoisch an Dinge denken, die es den Lieben bei einer doofen Situation einfacher macht.
Der Anti-Prepper-Prepper wartet nicht auf Katastrophen. Er lebt ganz normal - besitzt allerdings funktionierende Taschenlampen und weiss sogar wo sie sind.
Und aus dem Grund finden wir den Begriff Prepper eigentlich eher unangebracht, aber es passt ganz gut zum Zeitgeist.