Unser doppelter Boden - warum unser System nicht perfekt sein darf

Es gibt diese Tage, an denen alles gleichzeitig passiert.

Ein Kind wird krank, ein Termin fällt aus, ein anderer kommt dazu, ein Dokument wird plötzlich gebraucht.

Wo habe ich das doch gleich nochmal hingelegt? Ah ja, …ach doch nicht…

Der Tag kippt.

In solchen Momenten entscheidet sich nicht, wie gut ihr organisiert seid, sondern ob ihr aufgefangen werdet.

Perfektion ist unter Stress nutzlos

Natürlich sollte das Dokument in Sammelmappe X unter Buchstabe A eingeordnet sein, aber da ist es nicht. Wieso nicht? Vermutlich weil das Dokument unter Stress in Euer Leben getreten ist, das Ablagesystem zu perfekt gemeint war, daher zu viel Zeit kostete und nun Sammelmappe X unter Buchstabe A genau nichts enthält.

Perfekte Systeme funktionieren genau so lange, wie:

  • Ihr ausgeruht seid

  • Zeit habt

  • Euch konzentrieren könnt

Sobald Stress ins Spiel kommt, kippt das System, da es zu viele Regeln, zu viele Sonderfälle und zu viele Entscheidungen gibt.

Was dann trägt, sind nicht die schönsten Lösungen – sondern die robustesten.

Natürlich sind tolle, durchdachte Ablagesysteme etwas grossartiges. Tief verzweigt, für jeden Bereich des Lebens eine eigene Ablage. Jedoch ist jede Verzweigung, jede Ebene, jede Überlegung eine potentielle Fehlerquelle. Sobald die Entscheidung, wo ein Termin eingeordnet wird, wo ein Dokument abgeheftet wird usw. Energie kostet, ist das System nicht krisenfest. Wie wir wissen, planen wir nicht für die Zeit, in der alles perfekt läuft, sondern für eine Zeit mit wenigen Ressourcen. Energie ist fast immer eine knappe Ressource. Wenn also das System mehr Energie kostet, als es uns einsparen kann, dann danken wir diesem System für Nichts und begraben es.

Der doppelte Boden

Ein doppelter Boden hat eine Aufgabe: Er fängt euch auf, wenn ihr stolpert.

Dafür muss er nicht elegant sein, der doppelte Boden muss nicht beeindrucken und man muss sich nicht dafür schämen, dass man dieses grandiose Backup-System hat.

Der doppelte Boden muss nur eines: Er muss halten.

Unser System ist genau das:

  • Aufgaben liegen nicht im Kopf

  • Termine sind nicht „irgendwo gemerkt“

  • Dokumente sind nicht „bestimmt irgendwo“

All das machen wir nicht, weil wir perfekt sein wollen, sondern weil wir wissen, wie sich Überforderung anfühlt.

Natürlich kostet dieses System erst einmal Energie, aber wenn man unter Stress und Druck darauf zurückgreift, wird es in dieser Situation umso günstiger.

Familie ist ein Hochrisikosystem

Familie ist emotional, unplanbar und unberechenbar und genau deshalb braucht sie Struktur ohne Ideologie und ohne Emotionen.

Wir wollen nicht Kontrolle über die Familie und wir wollen auch keine Optimierung der Familie an sich.

Was benötigt wird, ist Verlässlichkeit.

Und diese Verlässlichkeit ist ein Ort, an dem die Dinge landen dürfen, damit sie nicht im Kopf bleiben.

Wenn alles gleichzeitig kommt

Ein gutes System zeigt seine Stärke nicht an guten Tagen sondern an schlechten.

Dann, wenn:

  • ihr müde seid

  • Entscheidungen schwerfallen

  • ihr keine Kraft für Organisation habt

Dann trägt euch der doppelte Boden – oder eben nicht.

Tragfähig schlägt elegant

Unser Ziel war, nicht unterzugehen, wenn es drunter und drüber geht.

Und genau dafür ist ein System da.

Unser System orientiert sich sehr eng an PARA. Was das ist und wie das geht, erfahrt Ihr im nächsten Artikel.

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PARA im Familienalltag

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Der doppelte Boden - oder: Warum der Kopf kein Speicherort ist